Sandrina Schwab vor einem Teich in Ihrem Garten
Bild: Sina Müller

Sandrina Schwab entdeckt an der kleinen Wasserstelle viele unterschiedliche Tierarten.

Sandrina Schwab in ihrem naturnahem Garten
Bild: Sina Müller

Für die Artenvielfalt sogrt auch Totholz, das liegen bleibt.

Ein Insektenhotel
Bild: Sina Müller

Eines von zwei Insektenhotels im Schwabschen Garten.

Pilze im Garten
Bild: Sina Müller

Pilze: Sandrina Schwab kennt sich damit bestens aus.

Vereine sich für das Klima und für die Natur engagieren

Die Natur ist ein Teil meines Lebens

Wir fürs Klima (3): Sandrina Schwab und ihr naturnaher Garten in Leistadt

Die Themen Natur und Umwelt ziehen sich schon immer durch das Leben von Sandrina Schwab aus Leistadt. Dazu passt, dass ihr Garten ausgezeichnet wurde als „Garten der Artenvielfalt“. Dieses Jahr sei viel gewachsen, berichtet Sandrina Schwab. Sie seien überhaupt nicht hinterhergekommen. „Und da war so manche Überraschung dabei, Sachen, die wir nie gepflanzt haben“, sagt sie erfreut. Denn Schwab findet es toll, was sich im Garten alles entwickelt.

Ihr Haus ist das vorletzte in der Straße, danach kommt nur noch Wald. Auch der terrassierte Garten geht in den Wald über. Früher wuchsen auf den Ebenen hinterm Haus Obstbäume, ein paar stehen heute noch. Ansonsten finden sich dort Nadelbäume, Rhododendron, eine Eiche, Wildgehölze und vieles mehr. Wäre da nicht ein Zaun, man würde die Grenze zum Wald kaum bemerken. 

Auf jeder Ebene findet sich eine neue Entdeckung, ein alter Mirabellenbaum, eine kleine Wasserstelle, Pilze zwischen den Steinstufen. Zwei Insektenhotels gibt es, Himbeeren, Äpfel und Feigen wachsen. Äste liegen auf dem Boden. „Das bleibt liegen, Totholz ist wertvoll“, erklärt Schwab. Sie und ihre Familie lieben den Garten. 

Auf einer der oberen Ebenen kann man über Leistadt schauen, im Sommer scheine hier bis acht Uhr abends die Sonne. „Es ist viel Arbeit, aber wir machen uns keinen Stress. Und der Garten verzeiht einem auch viel.“

Schwabs Garten ist einer von 20 „Gärten der Artenvielfalt“, die im Jahr 2020 gekürt wurden. Ein deutsch-französisches Projekt zur Förderung der Biodiversität, organisiert vom Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen. Jeweils zehn Gärten in Frankreich und Deutschland werden pro Runde ausgezeichnet.

Die Schwabs hatten sich schon 2019 beworben, eine Expertin kam vorbei und gab Tipps: Sie sollten noch eine Wildhecke anlegen und ein kleines Wasserbecken. Dies wurde umgesetzt und schon schafften sie es mit ihrem Waldgarten in die Endrunde. „Wir sind auch rumgefahren und haben uns die anderen Gärten angeschaut, es ist toll, was gemacht wird“, ist Schwab begeistert.

„Wir genießen unseren Garten sehr. Und er zeigt uns, was funktioniert und was nicht. Dieses Jahr haben wir zum Beispiel viel Schneckenfutter gekauft“, sagt sie und lacht. Denn das Basilikum sei direkt gefressen worden. Holunder und Himbeeren gingen dagegen gut. „Wir werden vom Garten geführt und nicht umgekehrt.“ Die Teilnahme am Wettbewerb habe ihnen Selbstbewusstsein gegeben: „Da haben wir gesehen, es ist gut, was wir machen.“ 

Das Wasserbecken, dass die Schwabs angelegt haben, ist nicht groß – und hat doch eine enorme Wirkung. „Es ist unfassbar viel Leben darin. Ich sehe Libellen, Molche, Tiere, die trinken. Wichtig ist aber, dass keine Fische darin sind.“

Tiere beobachten

Wenn sie im Garten sitzt, beobachtet sie gerne die Tiere. Gerade tummeln sich Gartenschläfer, Eichhörnchen sehe sie ohnehin häufig. Maulwürfe und Mäuse leben hier, während der Efeublüte habe sie tolle Falter gesichtet. Insekten findet Schwab besonders interessant.

Zwei Hirschkäfer habe sie dieses Jahr gesehen – und eine große Schlupfwespe, den stahlblauen Grillenjäger. „So etwas fasziniert mich. Wenn ich ein neues Tier sehe, schaue ich direkt nach, was es ist“, berichtet Schwab begeistert. Bei der Pollichia habe sie schon mehrere Artenkennerseminare mitgemacht.

Den stahlblauen Grillenjäger hat sie mit einer App gefunden. Entdeckt sie im Garten bestimmte Tiere und Pflanzen, gibt sie diese außerdem beim „Artenfinder Rheinland-Pfalz“ ein. Dort kann jeder mitmachen und Meldungen abgeben. Schwab ist seit acht Jahren dabei. 

Zugang zur Natur vermitteln 

Die Begeisterung für die Natur, für Tiere, Pflanzen und die gesamte Umwelt, ziehe sich schon durch ihr ganzes Leben, erinnert sich Schwab. Klar, dass ihr Mann und sie irgendwann ein Haus am Waldrand mit natürlichem Garten kaufen mussten. Und fast ebenso logisch, dass Schwab, als die Deutsche Gesellschaft für Mykologie eine Tagung in Bad Dürkheim hatte, auf das Thema Pilze aufmerksam wurde. Sie hat sich zum „Pilzcoach“ ausbilden lassen. „Nach Corona wollte ich mich weiterbilden und noch mehr mit der Natur machen“, sagt sie. „Es ist so wichtig, dass wir wissen, was direkt um uns herum ist, was wir hier bei uns haben. Es reizt mich auch, Menschen einen Zugang zur Natur zu zeigen.“ Darum bietet sie mit der Pollichia im kommenden Jahr ihre erste Führung mit dem Titel „App in die Natur“ an. Eine Führung für Anfänger und Neugierige, wie Schwab sagt, bei der es darum gehen soll, wie man ganz einfach Arten bestimmt, ohne komplizierte lateinische Namen.

An den Arten und speziell in ihrem Garten bemerke sie die Klimaveränderung hautnah. „Wir sind hier 2006 hergezogen, da war es viel feuchter“, weiß sie. „Wir gießen oben im Garten nicht. Inzwischen hat die Eiche im Sommer trockene Blätter. Ich sehe immer mehr Heuschrecken, die gab es früher weniger, das ist ein Zeichen, dass es trockener ist.“ Vielen mache die Veränderung Angst, ihr auch. „Dagegen hilft, dass man sich engagiert“, ist Schwab überzeugt. Sie fahre mit dem Rad zu Arbeit, das Stadtradeln habe sie dazu gebracht. Ihre Familie esse weniger Fleisch, die Heizung wird niedriger gestellt, sie beziehen Ökostrom. „Das sind viele Kleinigkeiten und es ist frustrierend, weil ich weiß, dass das nicht ausreichen wird. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass es der richtige Weg ist. Sollte man stattdessen denn gar nichts tun?“, fragt sie rhetorisch.

Ihr helfe es, vor Ort in die Natur zu gehen und das zu tun, was sie kann. „Ich gebe auch nicht in allen Punkten 100 Prozent. Aber ich beschäftige mich und mache mir Gedanken. Ich finde, das ist wichtig.“ Dass man die Natur immer mitdenkt. Für sie gehöre dazu auch das Dokumentieren der Arten, etwa mit dem „Artenfinder Rheinland-Pfalz“: „Je mehr Leute mitmachen, desto besser wird die Natur abgebildet und desto mehr fallen Veränderungen auf.“ 

Hoffnungsvoll stimmt sie, dass es letztendlich immer weiter gehe: Die Luftqualität habe sich seit den 80er Jahren verbessert, neue Arten wandern ein, alte passen sich an. Die Natur findet immer einen Weg – die Frage ist nur, wo unser Platz darin ist. Auch in ihrem Beruf denkt Schwab die Natur mit. Als Straßenbauingenieurin bei der Verbandsgemeinde Deidesheim legt sie Wert darauf, dass Wildpflanzen und einheimische Sorten gepflanzt werden. Sie freut sich, dass sich so ihr Privatleben und ihr Job zu einem Gesamtbild fügen: „Ich kann alles zusammenführen, wie es zu mir passt. Die Puzzleteile finden immer mehr zusammen.“

Hat sie noch einen Tipp für alle, die auch mehr Artenvielfalt in ihrem Garten wollen? „Eine Wasserstelle, einheimische Wildgehölze pflanzen, Totholzhaufen anlegen, ein bisschen Sand für Wildbienen, eine Blühmischung aussähen und weniger mähen. Das geht auch nur in einer Ecke, wenn man ansonsten gerne einen gemähten Bereich haben möchte. Es braucht eigentlich nicht viel“, weiß Sandrina Schwab.

Autorin: Sina Müller

Das Original-Bericht können Sie im DÜW-Journal Ausgabe 6 - 2024 auf der Seite 19 finden.